25 Jahre am Markt und die KI fragt: Wer bist du?
Ein Eigentümer in deiner Stadt überlegt zu verkaufen. Abends tippt er „Immobilie verkaufen” plus Ortsname in Google, oder er fragt einen KI-Assistenten, welcher Makler vor Ort zu ihm passt. Wer in dieser Antwort auftaucht, bekommt das erste Gespräch.
Dabei hilft dir auch eine lange Marktzeit nur, wenn die KI sie lesen kann. Ein Büro mit 25 Jahren Erfahrung, vielen Empfehlungen und einem dichten Netzwerk hat ein starkes Fundament. Die KI kennt dieses Fundament aber nur, wenn es im Netz sichtbar steht, mit klarem Namen, klarem Angebot und klarem Ort. Dieser Artikel zeigt, wie du das aufbaust: heute für die Google-Suche, morgen für die Antworten der KI-Modelle.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Eigentümer finden Makler über mehrere Wege gleichzeitig: Empfehlung, Portale, Suche, Büro vor Ort und Feed.
- Die Suche wird zur KI-Antwort. Wer dort genannt wird, muss auf der Website klar lesbar sein.
- Das Rezept: eine Hauptseite für dein Kernangebot, dazu Unterseiten mit eigenem Inhalt je Leistung und je Ort.
- Anzeigen bringen sofort Sichtbarkeit, die Website hält die Position, der Feed macht dich vertraut.
- Dein Start: ein 30-Tage-Fahrplan am Ende des Artikels.
Fünf Wege, auf denen Eigentümer dich finden
Ich hatte zuerst drei Wege im Kopf: Netzwerk, Feed, Suche. Die Recherche zeigt ein breiteres Bild. Eigentümer nutzen mehrere Kanäle nebeneinander, und die Studien erlauben ausdrücklich Mehrfachantworten.
Empfehlung und Netzwerk
Familie, Freunde, Bank, Steuerberater, Notar. Der älteste und stabilste Weg.
Portale und Verzeichnisse
Der Klassiker für die Vorauswahl, mit hohen Gebühren und viel Konkurrenz.
Suche und KI-Antworten
Google, KI-Zusammenfassungen und Assistenten, die Fragen direkt beantworten.
Präsenz vor Ort
Das Büro in der Straße, bekannte Namen im Viertel, der Makler, den man schon kennt.
Der Feed
Instagram, LinkedIn, YouTube: Menschen lernen dich über Inhalte kennen.
Zahlen aus zwei Befragungen zeigen, wie breit das Feld ist:
Quelle: Innofact AG im Auftrag von ImmoScout24, Juli 2019, 500 private Eigentümer mit Verkaufsplänen, Mehrfachantworten möglich.
Quelle: Forsa im Auftrag des IVD, 2010, mehr als 1.000 Immobilienkunden.
Einordnung. Beide Studien sind älter, und die KI-Suche kommt darin noch nicht vor. Die Richtung bleibt trotzdem lesbar: Empfehlung und Suche stehen nebeneinander, und wer an mehreren Stellen auffindbar ist, hat die besten Karten. Eine aktuelle Studie, die den Anteil der KI-Antworten misst, habe ich nicht gefunden.
Meine eigene Auftragshistorie
Bei mir verteilt sich das so: Die große Mehrheit meiner Kunden ist über Instagram und meine Erklärvideos zu mir gekommen, ein kleinerer Teil über Netzwerk. Das ist meine Erfahrung, eine Studie dahinter gibt es nicht.
Aus der Praxis. Über das Netzwerk Neues Stadtportal habe ich einen Münchner Solo-Makler kennengelernt. Wir haben zusammen einen Podcast aufgenommen, und er fand die Idee mit den Videos von Anfang an richtig gut. Heute arbeiten wir seit über zwei Jahren zusammen, wie ein eingespieltes Team. Kontakte gehören zu den stärksten Werkzeugen, die du hast.
Büros mit langer Marktzeit leben genau davon: Sie haben ein dichtes Netz aus Empfehlungen, und das ist echtes Kapital. Wer sich zusätzlich online sichtbar macht, verbindet beides. Das Netzwerk bringt das erste Vertrauen. Die Sichtbarkeit führt Eigentümer zu dir, die noch niemanden kennen, der dich kennt.
Warum Berührungspunkte zählen
Eine Customer Journey dauert länger, als man denkt. Viele Makler kannten mich, bevor wir je gesprochen haben: Sie hatten meine Videos gesehen, in denen ich erkläre und zeige, was ich tue. Auch wenn die Dienstleistung für sie gerade kein Thema war, war ich auf dem Schirm. Je mehr Berührungspunkte ein Mensch mit dir hat, desto selbstverständlicher wirst du, sobald der Bedarf entsteht.
Ohne Reichweite wirst du nicht gesehen.
Der Feed ist ein starker Kanal mit einer Eigenart: Seine Wirkung schwankt stark. In meiner Auswertung von über tausend Immobilienvideos streut die Reichweite schon innerhalb eines einzelnen Kanals um ein Vielfaches. Ein Video geht durch die Decke, das nächste, gleich gebaute, erreicht kaum jemanden. Die Suche verhält sich anders: Dort tippt jemand eine Frage ein, weil er die Antwort gerade braucht. Diese Nachfrage lässt sich planen.
| Kanal | Tempo | Kosten | Stärke |
|---|---|---|---|
| Netzwerk und Empfehlung | langsam, über Jahre | vor allem Zeit | höchstes Vertrauen |
| Feed (Instagram, LinkedIn, YouTube) | mittel, schwankend | Zeit und Produktion | Bekanntheit und Nähe |
| Website: SEO und GEO | Wochen bis Monate | einmal Aufbau, dann Pflege | planbare Nachfrage, KI-Zitate |
| Anzeigen (Google Ads) | sofort | laufendes Budget | Treffer im Moment der Entscheidung |
Einordnung: meine eigene Einschätzung aus der Praxis.
Die Website: eine Hauptseite, davon abgeleitete Unterseiten
Hier liegt der größte Hebel, und hier hatte ich meinen Aha-Moment: Eine Website bleibt auch mit vielen Orten und Suchbegriffen übersichtlich, wenn du klar trennst.
Die Hauptseite beschreibt dein Kernangebot. Was bietest du an, für wen, mit welchem Ergebnis? Diese Seite gilt für jeden, egal ob jemand in der Stadt wohnt, im Umland oder weiter weg.
Die Unterseiten leiten sich davon ab. Sie beschreiben eine Leistung genauer oder gehören zu einem bestimmten Ort. Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Ich biete Dienstleistungen vor Ort in München an und schneide Videos aus der Ferne für die Schweiz. Jedes Angebot hat seine eigene, klare Seite, und die Hauptseite bleibt aufgeräumt.
Diese Unterseiten baue ich in erster Linie für die Suchmaschine und für die KI-Modelle, die das Web lesen. Wenn jemand eine Frage mit Ortsbezug stellt, soll genau die passende Seite gefunden und zitiert werden. Für den Crawler ist eine Seite mit einem Thema und einem Ort die eindeutigste Antwort, die er finden kann.
So setzt du das als Makler um
- Eine Seite pro Einzugsgebiet oder Stadtteil. Jede Seite trägt eigenen Inhalt: was du über diesen Ort weißt, welche Objekte du dort vermittelt hast, welche Fragen Eigentümer dort stellen.
- Ein Thema pro Seite. Bewertung, Verkauf, Vermietung, Erbe: je ein Thema, ein klarer Nutzen, ein klarer nächster Schritt.
- Häufige Fragen in der Sprache der Eigentümer. Ein FAQ-Block mit echten Fragen („Was kostet ein Makler?", „Wie lange dauert ein Verkauf?") beantwortet die Frage direkt auf der Seite, kurz und klar formuliert. So finden Eigentümer die Antwort sofort, und Suchmaschinen und KI-Antworten können sie leichter übernehmen.
- Strukturierte Daten. Eine Art Beschriftung im Hintergrund der Seite (Schema.org), die Maschinen sagt, was Leistung, Ort und Anbieter ist. Dein Web-Dienstleister baut das in einem Arbeitsgang ein.
- Gleicher Name und gleiche Angaben überall. Name, Anschrift, Spezialisierung, Telefonnummer: auf der Website, im Google-Unternehmensprofil, in Verzeichnissen und auf Social Media identisch. So können Suchmaschinen und KI dich als eine Person oder ein Büro zuordnen.
- Bewertungen und Impressum. Echte Kundenstimmen und ein vollständiges Impressum schaffen Vertrauen bei Menschen und Maschinen.
Wichtig bei Ortsseiten. Seiten, die sich nur im Ortsnamen unterscheiden, bewertet Google als Doorway-Pages, also als Spam. Der eigene Inhalt je Ort ist deshalb Pflicht.
Gut zu wissen. Strukturierte Daten helfen Maschinen beim Verstehen deiner Seite. Zusätzliche Darstellungen wie Sterne in der Trefferliste sind damit nicht garantiert. Aufklappbare FAQ-Snippets zeigt Google seit dem 7. Mai 2026 gar nicht mehr (seit August 2023 galt das schon eingeschränkt nur für bekannte Behörden- und Gesundheitsseiten). Der FAQ-Block auf deiner Seite bleibt trotzdem sinnvoll: Er beantwortet Eigentümern die Frage direkt.
Was die KI-Antworten verändern
Bisher ging es bei Google um Platz eins bis drei. Inzwischen steht bei einem Teil der Suchen eine KI-Zusammenfassung über den Treffern, und KI-Assistenten beantworten Fragen ganz ohne Trefferliste. Dafür gibt es ein eigenes Stichwort: GEO, Generative Engine Optimization.
Google selbst schreibt, dass es für diese KI-Funktionen keine Sonderregeln gibt. Es gelten die Grundlagen von klassischem SEO: gute Inhalte, saubere Technik, eine vertrauenswürdige Seite. Darauf setzt das Ziel der Zitierfähigkeit auf, das sich in der Praxis bewährt:
- Die Antwort steht in den ersten Sätzen eines Abschnitts.
- Inhalte sind in kurze, klar benannte Bausteine gegliedert, die eine KI einzeln übernehmen kann.
- Aussagen sind konkret und belegbar: Leistung, Ort, Zeitrahmen, Ablauf.
- Dein Name taucht an mehreren seriösen Stellen auf, etwa in der Presse, in Verzeichnissen und auf Partnerseiten (Online-PR, ein Baustein für KI-Sichtbarkeit).
Wer heute sauber strukturierte Ortsseiten und echte Antworten hat, ist für beide Welten gerüstet, die klassische Suche und die KI-Antwort. Die Reichweite im Feed ergänzt das, weil Menschen nach deinem Namen suchen, sobald sie dich gesehen haben.
Und die Anzeigen? SEA im Zusammenspiel
SEO braucht Zeit. Suchmaschinenwerbung (SEA, vor allem Google Ads) bringt Sichtbarkeit sofort und kostet laufend Budget. Beides ergänzt sich. Das sind die Punkte, die für Makler zählen:
- Der Anzeigenrang entsteht aus Gebot und Qualität. Google nennt dafür keine feste Formel. Zur Qualität zählen erwartete Klickrate, Anzeigenrelevanz und die Erfahrung auf der Landingpage. Eine Seite, die zur Anzeige passt und schnell lädt, senkt deine Klickkosten.
- Starte mit verkaufsnahen Suchbegriffen. „Immobilie verkaufen [Stadt]", „Wohnung bewerten lassen [Stadt]", „Makler [Stadt]" erreichen Eigentümer in dem Moment, in dem sie handeln. Diese Gruppe ist klein und hochwertig.
- Pflege negative Keywords. „Immobilie mieten" oder „Makler werden" schließt du aus, damit dein Budget bei den Klicks bleibt, die dir etwas bringen.
- Sichere deinen eigenen Namen ab. Wenn andere Büros auf deinen Namen bieten, lohnt sich eine kleine Kampagne auf deine Marke, auch wenn du organisch gut stehst.
- Wähle die Kampagnenart passend. Performance Max steuert Anzeigen automatisch über mehrere Google-Kanäle und braucht Daten und Budget zum Lernen. Für einen einzelnen Makler mit kleinem Startbudget ist eine klassische Suchkampagne mit klarem Ziel (Bewertungsanfrage, Rückruf) der übersichtlichere Start. Das ist meine Einschätzung.
- Plane ein realistisches Startbudget. Als Orientierung gelten 300 bis 1.000 Euro im Monat Werbebudget, zuzüglich Agenturkosten.
Die Anzeige bringt dich schnell nach vorn, die Website hält die Position, und die Inhalte aus dem Feed sorgen dafür, dass der Eigentümer dich schon erkennt, wenn er auf deine Anzeige trifft.
Portale, Preis und der eigene Auftritt
Portale bleiben ein Teil des Marktes, wie die Zahlen oben zeigen. In fast jedem Gespräch mit Maklern höre ich dasselbe: Leads über die klassischen Immobilienportale sind qualitativ schwächer, und Gebühren und Abos fallen hoch aus. Ein Eigentümer, der dich über deine Website, deinen Feed oder eine Empfehlung findet, kommt mit Vorwissen und mit Vertrauen.
Am Ende entscheidet der Markt. Ob ein Objekt verkauft wird, hängt am Kaufpreis und an der Bereitschaft des Eigentümers, die ehrliche Einschätzung seines Maklers anzunehmen. Sichtbarkeit bringt dir das Gespräch. Der richtige Preis und deine Beratung bringen den Abschluss.
Mit einer gut funktionierenden Website, einem klar positionierten Instagram-Auftritt mit regelmäßigen Inhalten und im besten Fall einem YouTube-Kanal wirst du bei Suchanfragen gefunden und vorgeschlagen. Damit liegst du vor vielen klassischen Büros mit schlichter Website. Büros mit langer Marktzeit bringen dagegen ein Netzwerk mit, das sich nicht kopieren lässt. Wer beides verbindet, hat die beste Ausgangslage.
Dein Fahrplan für die nächsten 30 Tage
Kernangebot klären
Schreibe in zwei Sätzen auf, wofür du stehst und für wen. Das ist der Text deiner Hauptseite.
Ortsseiten planen
Liste deine drei wichtigsten Einzugsgebiete auf und sammle je Gebiet Material: Objekte, Fragen, Besonderheiten.
Eine Ortsseite bauen
Mit eigenem Inhalt, FAQ und Bewertung. Danach Google-Unternehmensprofil und Impressum auf identische Angaben prüfen.
Messen
Schau in die Google Search Console: Welche Suchanfragen erreichen dich, auf welcher Position? Trage die Zahlen als Ausgangswert ein und vergleiche nach vier Wochen.
Parallel: Zeige dich weiter im Feed. Jeder Berührungspunkt macht dich vertrauter, bevor der Bedarf entsteht.
Sichtbarkeit und Vertrauen tragen auch durch unruhige Marktphasen. Die Technik ändert sich schnell, das Prinzip bleibt: Sei dort auffindbar, wo Eigentümer fragen, und sei der Mensch, dem sie danach vertrauen.
Welche Ortsseite baust du als Erstes? Schreib es mir in die Kommentare, ich schaue gern drauf.